Bevor ich auf mein eigentliches Thema komme, möchte ich eine kleine Rückblende in das Jahr 2010 machen. Es ist vieles passiert und es gab auch viel zu berichten. So feierte das PacMan-Spiel seinen 30sten Geburtstag und Google spendierte ein “Minispiel-Google-Logo”.
Ich denke die meisten können sich daran erinnern und bestimmt haben auch viele mal ein paar Minuten (manche vielleicht auch länger) damit gespielt. Warum auch nicht.
Ende Mai 2010 bin ich über einen Artikel von PCGames gestolpert, in dem die Gesamtzeit, die alle Benutzer mehr als gewöhnlich auf der Seite von Google verbracht hatten, in Geld umgerechnet wurde. Der Rechnung nach beläuft sich der Schaden durch verlorene Arbeitszeit auf über 120 Millionen US-Dollar.
Ob die Rechnung im Detail so korrekt ist oder nicht sei an dieser Stelle mal egal, aber es zeigt gut wie sich auch wenig Zeit schnell zu einem großen Geldbetrag summieren kann.
Womit wir dann auch zum eigentlichen Thema kommen: Dem Internet Explorer.
In den vergangenen Jahren habe ich immer wieder erlebt, wieviel Zeit neben der eigentlichen Entwicklung für die Anpassungen an den Internet Explorer ver(sch)wendet wird, damit eine Anwendung/Seite in allen Browsern gleich gut aussieht und funktioniert.
Soweit ist das ja auch ein ehrenwertes Ziel. Jedoch betreibt man damit einen großen finanziellen Aufwand, um eine Software zu unterstützen, die einem im Grunde doch wieder Schaden verursacht.
Den Benutzern kann man nicht mal einen Vorwurf daraus machen, dass sie weiterhin den Internet Explorer verwenden. Er ist standardmäßig auf Windowssystemen vorhanden und solange alles, dank meist großem, aber immer unsichtbarem Aufwand, gut funktioniert wird daran auch keiner was ändern wollen.
Aus der Perspektive der Marketingabteilung ist es durchaus verständlich keinen Kunden verlieren zu wollen, aber vielleicht sollte dieser Kosten-Faktor mit in die Rechnung aufgenommen werden, ob es sich der Aufwand lohnt.
Aktuell sind nur knapp 5% meiner Leser mit dem Internet Explorer unterwegs und in diesem Fall nehme ich es in Kauf, dass die Seite im Internet Explorer “etwas” anders aussieht.
Wie seht ihr das Zeit-/Kostenproblem, welche Erfahrungen habt ihr, bzw. wie geht ihr damit um?

07.01.2011 um 07:25 Uhr
Kommt ganz ganz stark auf die Zielgruppe an. Wenn sich das Angebot besonders an Firmenkunden richtet ist der IE (incl. Version 6) u.U. noch der verbreitetste Browser. Und mal ehrlich: Ab dem IE7 kann man nicht mehr wirklich von einem schlechten Browser sprechen. Bei einigermaßen anständigen CSS-Kenntnissen und Verwendung einer Crossbrowser JS-Lib sollte man gut klarkommen. Das Konzept der http://de.wikipedia.org/wiki/Graceful_degradation macht einem das Leben ja noch etwas einfacher: Es muss NICHT für alle Browser gleich aussehen. Der IE-Nutzer ist es gewohnt, dass es für ihn keine runde Ecken und Transparenz gibt. Macht aber auch nix. Deswegen und weil der IE9 aller Voraussicht nach ein richtig guter Browser wird, sehe ich das Problem nicht so unbedingt gegeben.
07.01.2011 um 07:35 Uhr
Bei mir sind auch nur ca 5% der Leser mit dem IE unterwegs. Möglicherweise sind das auch noch Bots dabei, die sich als IE ausgeben. Ich persönlich ignoriere den IE, da ich kein Windows Benutzer bin. Falls ich einmal von einem Win-User erfahre, dass etwas nicht passt, würde ich die Seite auch anpassen.
Bei herkömmlichen Seiten wird die Anzahl der IE Benutzer höher sein – alleine schon deshalb, weil in vielen Firmen der IE vorgeschrieben ist und möglicherweise nicht einmal durch den FF ersetzt werden darf oder kann. Veraltete Intranet-Anwendungen sorgen auch für ein Überleben des IE6
Im aktuellen Projekt haben wir auch wieder das Problem mit dem IE und obwohl wir uns vorerst nur auf den IE8 geeinigt haben ist der Mehraufwand irgendwo zwischen 10 und 15 Prozent angesiedelt.
07.01.2011 um 07:48 Uhr
Die Zielgruppe bestimmt leider meistens “noch” ob man oder ob man nicht für IE (bis runter auf 6) optimiert oder nicht. Ist aber eine reine WebApp zu programmieren, bevorzuge ich Flex (Flash). Layouts und Funktionalität sind Platform (und Browser) -übergreifend konsistent und die Entwicklung in ActionScript ist auch sehr mächtig.
Bei “normalen” Webseiten mache ich folgendes: Starte mit dem einfachsten Aufbau/Layout wie nur möglich der relativ konsistent ist. Wenn dies dann wie gewünscht in allen Browsern aussieht, füge ich einzelne Elemente hinzu welche mit dem Layout weniger zu tun haben.
In der Endphase kommt dann sicher einen Tag Arbeit hinzu nur um die kleinen Details IE-tauglich zu machen. Da helf ich mir seit kurzem indem ich im CSS die Anweisungen für IE mit einem * am Anfang versehe. Simpel aber effektiv. Bei kleinen Unterschieden lass ich die Optimierung auch gerne sein, solange das Layout nicht “Pixel-Genau” implementiert werden muss.
07.01.2011 um 09:05 Uhr
Traurig ist es, wenn durch den IE ein Großteil des Umsatzes getätigt wird und man bei jeder größeren Änderung nochmal die gleiche Zeit für den Internet Explorer benötigt
07.01.2011 um 09:19 Uhr
@David: Klar, mit den richtigen Kenntnissen und Cross-Libs kann man mit dem IE schon klarkommen, aber dennoch kostet es zuweilen viele Nerven, bis man alle Versionen versorgt hat.
@Georges: Mit Flash können IE-User alles schön sehen und dafür stehen dann evtl. die Apfel-Fans auf’m Schlauch?
07.01.2011 um 14:50 Uhr
Ich verstehe das Problem ehrlich gesagt auch nicht so ganz. Ich meine früher habe ich mich über so was auch noch aufgeregt, aber es ist doch so, dass die serverseitigen Entwicklungskosten das clientseitige oft um längen schlagen. Bei JS gibt es soweiso keine Probleme mehr dank jQuery und Co. und mit CSS ist man Dank solcher “Frameworks” wie YAML auch oft sehr gut beholfen. Wenn man sich also an den Hilfsmitteln ausreichend bedient, kann man damit sehr gut arbeiten und ob das jetzt ein IE/FF/O/S/C oä ist, der den HTTP Req. abfeuert ist mir bei der PHP/Python/what ever Entwicklung auch egal.
Btw. ich ging bei der Einleitung eigentlich davon aus, dass mal die Kosten berechnet werden, die sich für den Nutzer durch die ineffizientere Nutzung der IE gegenüber von z.B. dem FF ergeben.
07.01.2011 um 20:04 Uhr
Den Gedanken haben sich schon einige gemacht und alle kommen zu erschreckenden Resultaten … check mal http://billforbill.com/
09.01.2011 um 16:59 Uhr
Ich merke, dass die Meinungen zu diesem Thema doch recht unterschiedlich sind, aber das ist ja auch gut so.